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Full text of "Nägele ( 1930) Aussöhnung"

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Vatikan 

Von Dr. C 1 a v e 11 - Merano 


Eine Frage von weltgeschichtlicher Bedeu¬ 
tung hat zu Beginn des Kalenderjahres 1929 
ihre Lösung gefunden. Nach langen und 
lange Zeit geheimgehaltenen Verhandlungen 
ist am 11. Februar 1929 die sogenannte „rö¬ 
mische Frage“ durch einen Vertrag zwischen 
dem Heil. Stuhl und dem Königreich Italien 
entschieden und der sechzigjährige Konflikt 
zwischen dem Papsttum und der italienischen 
Regierung durch feierliche Vereinbarungen 
beendet worden. Die Augen der ganzen Welt 
waren in jenen Tagen auf den Papstpalast im 
Lateran gerichtet, wo die feierliche Un¬ 
terzeichnung der Vertragsurkunde durch den 
päpstlichen Staatssekretär Gasparri und 
den italienischen Regierungschef Minister¬ 
präsidenten Mussolini erfolgte, daher 
trägt die Abmachung den Namen Lateran¬ 
vertrag. 

Was frühere päpstliche und königliche Re¬ 
gierungen seit der Eroberung Roms durch 
die Piemontesen vergeblich versucht haben, 
das ist dem jetzigen Inhaber des päpstlichen 
Stuhles gelungen, das schönste Geschenk zu 
dem goldenen Priesterjubiläum des Hl. Va¬ 
ters in Rom. Mit den katholischen Christen 
der ganzen Welt dürfen und müssen auch 
wir uns über die Lösung der römischen Frage 
und die Wiederherstellung der vollen Sou¬ 
veränität, d. h. der staatlichen Unabhängig¬ 
keit des Papstes, des Oberhauptes der rö¬ 
misch - katholischen Kirche, die Aufhebung 
des langen, heillosen Zwiespaltes zwischen 
Staat und Kirche in Italien und die Aussöh¬ 
nung der beiden höchsten Gewalten im Kö¬ 
nigreiche Italien freuen. Am siebten Jahres¬ 
tag seiner Krönung ist der Herzenswunsch 
des HL Vaters, dem er schon nach seiner 
Wahl durch Erteilung des apostolischen Se¬ 
gens von der Loggia auf dem Petersplatz urbi 
et orbi (der Stadt Rom und dem Erdkreis) 
Ausdruck verlieh in vernehmbarer Friedens- 
geste, endlich in Erfüllung gegangen: durch 
Beendigung des Zwiespaltes zwischen Vati¬ 
kan und Quirinal die Gewissen seiner italie¬ 


nischen Volksgenossen und Kinder der Kirche 
zu entlasten und, wie Pius XI. bald hernach 
mündlich erklärte, „Italien Gott und Gott 
Italien zurückzugeben“. 

Um die Tragweite dieser kirchlich-politi¬ 
schen Vereinbarung vom 11. Februar 1929 
einigermassen zu verstehen, müssen wir nicht 
nur die sechs Jahrzehnte seit Aufhebung des 
sog. Kirchenstaates im Jahre 1870, sondern 
ein ganzes Jahrtausend in der Geschichte 
von Staat und Kirche in Europa zurückgehen. 
Weit mehr als die angebliche Schenkung 
des ersten christlichen Kaisers Konstantin in 
Rom (313) haben die Stiftungen des frän¬ 
kischen Königs Pipin und seines grösseren 
Sohnes, des ersten Kaisers aus fränkischem, 
germanischem Blut, Karls des Grossen, die 
Grundlagen zur Entstehung des Kirchenstaa¬ 
tes gelegt und durch Zusammenwirkung vie¬ 
ler Umstände im Laufe der Jahrhunderte, 
aber auch durch eigenes Zutun der Inhaber 
des höchsten Bischofsamtes zur Gründung 
einer weltlichen Herrschaft des Papstes ge¬ 
führt. Dass eine solche nur zeitgeschichtlich 
bedingt ist, nicht mit dem Wesen des höch¬ 
sten Amtes eines Statthalters Christi im 
Reich der Seelen zusammenhängt, beweist 
die Geschichte der ersten christlichen Jahr¬ 
hunderte, wo der Bischof von Rom als Ober¬ 
haupt der Kirche und Nachfolger des heil. 
Petrus die Kirche von den Katakomben aus, 
den unterirdischen Grabstätten der unge¬ 
zählten Opfer der Christen-Verfolgungen im 
Römerreich, leiten musste, und ebenso die 
letzten Jahrzehnte des 19. und die ersten 
des 20. Jahrhunderts, wo fünf Päpste aus der 
„Gefangenschaft“ des Vatikans die grosse 
Weltkirche unter wachsendem Einfluss ihrer 
rein geistigen Macht nach Verlust des Kir¬ 
chenstaates gelenkt haben: Pius IX., das 
erste Opfer des stets so bezeichneten „Kir¬ 
chenraubes“, Leo XIII., Pius X., Benedikt XV. 
und Pius XI. Mag auch mit der Entwicklung 
der modernen Staatswesen die Existenz eines 
geistlichen Staates immer schwieriger gewor- 

103 






























den sein, mag auch die Behauptung und Er¬ 
weiterung des weltlichen Besitzes im Wan¬ 
del der Jahrhunderte den Papst in weltliche 
Händel verwickelt und wie bei den weltli¬ 
chen Fürstentümern vieler deutscher Bischöfe 
dem geistlichen Amt und Ansehen eher Scha¬ 
den als Nutzen gebracht haben, die Ueber- 


Lateranvertrages vom 11. Februar 1929 ge¬ 
löst zur Zufriedenheit beider vertragschliesl 
senden Mächte, der kirchlichen u. staatlichen 
Ohne die gewaltsame Wegnahme des alten 
Kirchenstaates durch Savoyen - Piemont im 
Jahre 1870 zu entschuldigen oder zu recht- 
fertigen, bringt der Friedensvertrag vom Jahr 


König Viktor Emanuel III. 


Papst Pius XI. 



zeugung von der Notwendig¬ 
keit völliger Unabhängigkeit 
von jeder andern weltlichen 
Macht hat sich auch unter 
den geänderten Zeitverhält¬ 
nissen bis auf die Gegen¬ 
wart erhalten. Der Protest 
aller Päpste gegen die Weg¬ 
nahme des eine solche Un¬ 
abhängigkeit oder Souverä¬ 
nität gewissermassen garan¬ 
tierenden Kirchenstaates 
wie auch aller treuen Kin¬ 
der, selbst der gekrönten 
Häupter, hat diesem Gedan¬ 
ken stets Ausdruck verlie¬ 
hen: der Papst, das Ober¬ 
haupt der kathol. Kirche, 

'darf nicht der Untertan des 
Staates sein, in dem er 
wohnt, er braucht zur Aus¬ 
übung seiner geistigen Sou- Ministerpräsident 
veränität ein gewisses Mass 
weltlicher Souveränität, die auf eigenes 
Recht unabhängig von jeder anderen welt¬ 
lichen Macht sich stützen muss und ohne 
eigenen, wenn auch noch so kleinen Territo- 
rial-Staat undenkbar ist. 

Diese seit 60 Jahren brennende „römische 
Frage ist nunmehr im ersten Teil des sog. 

104 


1929 den Verzicht des Pap¬ 
stes auf das grosse, Jahr¬ 
hunderte lang, ja teilweise 
ein Jahrtausend lang be 
herrschte Gebiet mit der 
Hauptstadt Rom und g a 
rantiert dem Oberhaupte 
der katholischen Kirche ein 
kleines Gebiet, die „Vati 
kanische Stadt“, in der 
Umgebung der Peterskirche 
mit einigen weiteren Amts 
gebäuden und Palästen aU 
souveränen Staat, ein Ter 
ritorium von etwa 44 Hekl 
tar. Aber dieses kleine Ter 
ritorium genügt nach der 

? rkl , ar ^, deS Wiene r Kar! 
dinals Piffl nicht nur für die 
Souveränität des Papstes 
es enthält auch Gedächt¬ 
nisstatten, wie sie kein 
noch so grosses Reich auf 
zuweisen hat und ist erfüllt mit der Tradi" 
tion und Geschichte von 19 Jahrh„„,l * " 
der katholischen Kirche (Grab des M Pet 0 

Kir A C ^ PJ*** Vatikanische KuSt’ 
und Handschnftensammlungen, Katakomben 

Sowohl die Höhe der Geldentschädigung, 


Benito Mussolini 


die nach Mussolinis Kammerbericht vom 14. 
März 1929 nur 400 Millionen Goldlire der 
Vorkriegszeit entspricht und um fast zwei 
Drittel hinter der selbst in dem Garantie-Ge¬ 
setz der ersten italienischen Staatsregierung 
angebotenen und kapitalisierten Abfindungs¬ 
summe zurückbleibt, als auch der verein¬ 
barte Umfang der civitas Vaticana, der nach 
ursprünglichen Forderungen der Kurie mit 
Zugang zum Meer und der Villa Doria Pam- 
phili etwa 450 Hektar ausmachen sollte, be¬ 
weist die ungeheure Selbstlosigkeit des neuen 
Papstes und seinen festen Willen, an finan¬ 
ziellen und territorialen Machtfragen nicht 
das grosse Ideal des Friedens zwischen Papst 
und Italien und der Ordnung der religiös- 
kirchlichen Verhältnisse des Königreiches 
abermals scheitern zu lassen. Diesem zwei¬ 
ten sehnlichsten Wunsch zulieb hat der Va¬ 
ter der Christenheit solche Opfer gebracht 
zu besserer Förderung des Seelenheils seiner 
durch Blut und Rasse ihm nächststehenden 
Brüder. 

Diesem Zweck dient der zweite grössere 
Teil des Lateran vertrag es, das sog. Konkor¬ 
dat zwischen Italien und dem Papst. So ver¬ 
mischen sich internationale und nationale 
Abmachungen in jenem weltgeschichtlich be¬ 
deutsamen Dokument, das den Namen Pius 
des Elften und Mussolinis für alle Zeiten ver¬ 
ewigen wird. Der erste Pakt, der die römi¬ 
sche Frage regelt, ist ein staatsrechtlicher 
Akt von internationaler Bedeutung, er erfüllt 
das Verlangen der ganzen katholischen Welt 
nach Wiederherstellung der Souveränität des 
Papstes, die jenem revolutionären Vorstosse 
des Jahres 1870 zum Opfer gefallen war, und 
alle Staaten der Erde werden noch mehr als 
bisher diese wiederhergestellte Macht aner¬ 
kennen und sich über den von Italien garan¬ 
tierten freien Verkehr des Papstes mit allen 
auswärtigen Mächten, geistlichen und welt¬ 
lichen Abgesandten, in Kriegs*- und Friedens¬ 
zeiten, befriedigt fühlen. Dafür spricht der 
Papst zum erstenmal feierlich die Anerken¬ 
nung des Königreichs Italien unter der Dy¬ 
nastie Savoyen und mit Rom als Hauptstadt 
aus und erklärt die römische Frage als defi¬ 
nitiv und unwiderruflich gelöst: 

Als erste Frucht dieses kirchenpoliti¬ 
schen Friedensschlusses ergab sich der 
zweite Hauptteil des römischen Paktes, 
der nur den Heiligen Stuhl und Italien al¬ 
lein, aber auch unser Heimatgebiet im 
besonderen angeht, das Konkordat, 
die Ordnung der wichtigsten Verhältnisse 
auf dem Grenzgebiet von Kirche und 
Staat im neu anerkannten Königreiche, die 
60 Jahre lang auf sich hatte warten lassen. 
Seit der gewaltsamen Annexion des Kirchen¬ 


staates und der päpstlichen Hauptstadt Rom 
hatte offizielle Trennung zwischen Staat und 
Kirche, offene oder geheime Feindschaft zwi¬ 
schen Vatikan und Quirinal bestanden und 
die religiösen, kirchlichen Verhältnisse im 
neuen Königreich hatten, zumal unter der 
fast ununterbrochenen liberalen, freimaureri¬ 
schen, freidenkerischen Vorherrschaft nicht 
geringen Schaden gelitten. Vergeblich ver¬ 
suchten im Jahre 1888 Unterhändler des Pap¬ 
stes Leo XIII. und des Ministerpräsidenten 
Crispi einen modus vivendi, einen Ausgleich 
zwischen beiden Gewalten zu schaffen; auch 
der unter dem Minister Visconti 1900 herge¬ 
stellte Entwurf, der kürzlich (April 1929) von 
Regierungsseite aus dem Staatsarchive be¬ 
kanntgegeben und in 18 Artikeln unter ande¬ 
rem auch juridische Unabhängigkeit, Exterri¬ 
torialität und persönlichen Vertragsabschluss 
durch Papst und König mit Te Deum verein¬ 
barte, sollte an Einzelheiten scheitern. Noch 
Jahrzehnte nach der piemontesischen Inva¬ 
sion herrschte bei den Staatsmännern die 
Neigung zur Freiheit gegen Papst, Kurie 
und Kirche vor; nach Abschwächung der er¬ 
sten Reaktion antikirchlicher Stimmungen 
entschied man sich in einzelnen Kreisen zu 
einer Freiheit neben dem Papst, die neben 
der modernen Geistes- und Gewissensfreiheit 
eine gewisse Entschlussfreiheit des Papstes 
bestehen Hess; schliesslich mit der wachsen¬ 
den Hinwendung des faschistischen Regimes 
zu den alten religiösen Traditionen Italiens 
erfolgte die Krönung des ganzen Schöpfungs¬ 
werkes des Duce, die Entscheidung für die 
Freiheit mit dem Papst, nicht in Tren¬ 
nung von Staat und Kirche, sondern in fried¬ 
licher Zusammenarbeit auf den Gebieten der 
kirchlich-staatlichen Verwaltung, der Schule, 
der Seelsorge, der Charitas, der Ehe und 
Familie. Wie bei jedem Vertrag müssen auch 
hier beide Partner sich auf einer gewissen 
Mittellinie zusammenfinden und sich zu Ver¬ 
zichten bequemen, um den Vorteil einer all¬ 
gemein vertraglichen Regelung der einzelnen 
strittigen Probleme zu ermöglichen. Nach 
der allmählichen Abkühlung der ersten Be¬ 
geisterung und Ueberraschung, die der erst 
kurz vor Palmsonntag 1929 von staatlicher 
Seite vor der Ratifikation durch das Parla¬ 
ment geschehenen Veröffentlichung des 
Wortlautes folgte, wurden Stimmen aus allen 
Lagern laut, die den Hauptvorteil des Kon¬ 
kordats bald mehr auf staatlicher,» als auf 
kirchlicher Seite sahen. Warten wir die 
Auswirkung der einzelnen Abmachungen ab! 
Wie bei anderen Verträgen, kommt es auch 
hier noch mehr als auf den Buchstaben auf 
den Geist des Gesetzes und die einzelnen 
Ausführungsbestimmungen zum Pakte an, die 



















dem Geist der allgemeinen Vereinbarung und 
der vertragschliessenden Partner entspre¬ 
chen müssen, bisweilen freilich auch wider¬ 
sprechen können. Besonders wichtige Be¬ 
stimmungen betreffen die freie Besetzung der 
kirchlichen Aemter, die Einführung des Re¬ 
ligionsunterrichts ,,als Krönung und Grund¬ 
lage des öffentlichen Unterrichts, und zwar 
in der Form der katholischen Tradition so¬ 
wohl für die Elementar- als die Mittelschu¬ 


len- und Schulwesen. Der Verkehr der 
Bischöfe mit Klerus und Volk darf nach Ar¬ 
tikel 2 neben der italienischen Sprache auch 
m einer anderen Sprache erfolgen, was für 
alle auf die geistliche Leitung der Gläubigen 
bezüglichen Akte gilt. Da nach einem ande 
ren Artikel die Bischöfe die Textbücher für 
den Religionsunterricht zu genehmigen ha 
ben, so wird dieses Recht auch auf ienen 
bprachtext der Religionsbücher sich erstrek 



St. Peters-Dom und Platz, rechts der Vatikan 


len“, die Anerkennung der kirchlichen Ehe¬ 
schliessung und der kirchlichen Feiertage 
von Staatsseite, Errungenschaften, die nach 
kirchlichem Urteil alle weltlichen Vorteile 
des Abkommens überwiegen. Jedoch wird 
die definitive Ernennung der Bischöfe durch 
den Papst und der Pfarrer durch den Bischof 
von der Zustimmung der Staatsbehörden ab¬ 
hängig gemacht, wenn Bedenken gegen die 
Person des Ernannten vorhanden sind. Auch 
müssen die Bischöfe vor Besitzergreifung 
ihrer Diözese einen Treueid in die Hände des 
Staatsoberhauptes ablegen, dessen Formel 
im Artikel 20 genau bestimmt ist, 

Ueber die Sprache des Religionsunterrich¬ 
tes findet sich keine direkte Bestimmung im 
Konkordat, aber indirekt berühren manche 
Konkordatsverordnungen dieses Naturrecht 
auf die Muttersprache auch im Kir- 

106 


f Z 4 er tt Kirch \ den Religionsunterricht 11 
der Muttersprache zu erteilen, völlig en 
spncht Auch sichert das Konkordat d 
Anrecht auf eine Seelsorge in ihrer Sprac] 
gemäss den Regeln der Kirche, was nur f 
gemischtsprachige Gemeinden nichtiger 
scher Bevölkerung gelten kann. Aus der R 
Stimmung, dass die Uebertragung eines Pfar 
benehziums an die Kenntnis der italienisch« 
Sprache gebunden sein soll, darf bei gute 
Willen nach der heutigen Klerusschulung fi 
die Zukunft keine grössere Schwierige 
entstehen. Sehr wohltätig für die altitali 
nischen Provinzen w rd die geulant^ 7 , 
menlegung der vielen kleinen fe£ner S ur 
die Anpassung ihrer Grenzen an den Umf* 
der bestehenden Provinzen wirken. oÄ 
Verkleinerung des bis in altchristliche Ze 


zurückreichenden Bistums Sabiona-Bressa- 
none (Säben-Brixen) oder Trentos und eine 
Verlegung des ersteren nach Bolzano aus je¬ 
ner Ausnahmen zulassenden Bestimmung zur 
Folge haben wird, hängt wiederum vom 
Geist der Ausführungsbestimmungen und 
der Rücksicht auf historische und örtliche 
Verhältnisse ab. 

Die katholische Kirche ist eine Weltkirche, 
ist wahrhaft international. Wenn auch ihr 
Oberhaupt seinen Sitz in Rom hat, ist doch 
die dem hl. Petrus in Cäsarea-Philippi auf 
dem Boden des hl. Landes Palästina ver¬ 
liehene Primatialgewalt an kein Land und 
keine Stadt gebunden und eifersüchtig hat 
seit den Tagen der Apostel durch alle Jahr¬ 
hunderte die Gesamtkirche über diesen Cha¬ 
rakter des Katholizismus gewacht und mit 
wenigen vorübergehenden Ausnahmen alle 
Bestrebungen auf Nationalisierung abge¬ 
lehnt, ob sie von germanischen oder romani¬ 
schen Ländern aus versucht wurden. Ein „ba¬ 
bylonisches Exil“ hat es nur einmal in Avi¬ 
gnon gegeben und auch die kleine Civitas 
Vaticana wird nie ein Avignon werden. Auch 
die heutigen leitenden Persönlichkeiten der 
katholischen Kirche werden den Kurs des 
Schiffleins Petri an den Klippen des moder¬ 
nen Nationalismus, einer der grössten Völ¬ 
kergefahr von heute, vorbeizuschiffen ver¬ 
mögen, sodass es über alle Völker und 
Parteien seine hohe göttliche Mission erfül¬ 
len kann. Der Hl. Geist, der ihr verheissen 
ist bis ans Ende der Zeiten, die Wachsamkeit 
der katholischen Bischöfe des ganzen Erd¬ 
kreises, die hohe Weisheit des regierenden 
Hl. Vaters und seiner siebzig Räte im Kardi¬ 
nalskollegium, das Gebet der ganzen Chri¬ 
stenheit bürgen dafür, dass ein reicher Strom 
des Segens die mit 1929 angebrochene neue 
Epoche der katholischen Kirche begleiten 
und allen treuen Kindern der Kirche zugute 
kommen werde, welches auch immer ihre 
Sprache, Rasse und Heimat sei — Urbi et 
orbi, der Stadt Rom, dem Sitz des Papst¬ 
tums und dem ganzen katholischen Erdkreis. 

Mit einer feierlichen eucharistischen Pro¬ 
zession, welche den Papst am 25. Juli 1929 
ausserhalb des vatikanischen Gebietes das 
erstemal — die letzte Papstprozession hatte 
am 15. Jänner 1870 stattgefunden — aus sei¬ 
ner freiwilligen Gefangenschaft führte, wurde 


Die ersten Kurswagen nach Merano 

1885 gelang es der Kurvorstehung, direkte 
Waggons und Schlafwagen zwischen Berlin 
und Merano und zwischen Wien und Merano 
eingeführt zu erhalten. 


der erste Zyklus jener Kundgebungen ab¬ 
geschlossen, die dazu bestimmt sind, auf die 
Versöhnung zwischen Kirche und Staat zu 
folgen. Der zweite Zyklus der auf die Ver¬ 
söhnung folgenden Kundgebungen ist für den 
Oktober vorgesehen. Er soll sich in drei auf¬ 
einander folgenden Abschnitten abwickeln. 
Und wenn auch alle drei Abschnitte, so 
schliesst eine vatikanische Meldung, von aus¬ 
nehmender Wichtigkeit sein werden, so wird 
der dritte ein in der Geschichte vielleicht 
gänzlich neues Ereignis darstellen. 

Mit dem Inkrafttreten des Konkordates 
fanden am 8. August 1929 in Italien die er¬ 
sten kirchlichen Trauungen mit zivilrecht¬ 
licher Gültigkeit statt. Der kirchlichen Trau¬ 
ung ging dabei die Verlesung der entspre¬ 
chenden Gesetzesparagraphen durch den 
Geistlichen voraus. 

* * * 

Des Papstes erster Ausgang erfolgte, wie 
gesagt, am 25. Juli 1929, nachm., im Rahmen 
einer grossen Eucharistischen Prozession, 
aus der vatikanischen Basilika über den 
Petrus-Platz. Das letztemal war vor fast 
60 Jahren Pius IX. durch die Strassen Roms 
gefahren. An der nunmehrigen Prozession 
nahmen 7000 Personen teil, während man die 
Zahl der Zuschauer auf eine Viertelmillion 
veranschlagte. Sie war zu einer der mäch¬ 
tigsten und eindrucksvollsten Feierlichkei¬ 
ten geworden, die Rom je gesehen hat. Ihr 
Anblick war von unerhörter Schönheit und 
Grossartigkeit. Dem zweiten Teile, dem 
päpstlichen Hofstaat schritt in prächtiger 
Uniform die Schweizer Garde voran, wel¬ 
cher die päpstlichen Kammerherren in spa¬ 
nischem Gewände und sämtliche Kardinäle 
folgten. Barhäuptig sass der Papst in der 
Sänfte, ganz ins Gebet versunken, vor ihm 
stand die Monstranz, um deren Fuss er seine 
Hände gefaltet hatte — ein ungemein ergrei¬ 
fendes Bild! Als der Papstzug die Stufen der 
Peterskirche herabschritt, läuteten die Glok- 
ken in ganz Rom, die auf dem Petersplatz 
aufgestellten Truppen salutierten und die 
riesige Menschenmenge brach in begeisterte 
Hochrufe aus: ,,Der Papst ist befreit, es lebe 
Pius XI.!“ Die Prozession fand mit der Er¬ 
teilung des päpstlichen Segens von einem 
Altar unter dem Hauptaltar der Peterskirche 
aus ihren Abschluss. 


Die Meraner Markthalle 

wurde 1877 gebaut. 

Das Gaslicht 

war am 16. April 1873 im Kurorte eingeführt 
worden. 


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